Der Mann der in die astronomische Geschichte einging

 

“Der Mann mit der goldenen Nase”, “Herr der Sterne” oder “aufbrausender Hitzkopf” sind nur wenige von vielen Bezeichnungen für den dänischen Astronomen Tycho Brahe.
Er ist der letzte Astronom, welcher den Himmel noch mit bloßem Auge beobachtet hat. Mit seinen Beobachtungen zerstört er das Weltbild von anderen Forschern seiner Zeit, konstruiert sein eigenes Weltsystem und entwickelt eigene Messgeräte.

Portrait von Tycho Brahe
Quelle: wikimedia.org

Nachkomme einer Adelsfamilie

Am 14. Dezember 1546 kommt Tycho Brahe auf Schloss Knutstorp, als Sohn von Otto und Beate Brahe, zur Welt. Damals gehörte dieses Gebiet noch zu Dänemark, heute zählt es zu Schweden.
Zunächst versucht er sich an einem Rhetorik, Philosophie und Jura-Studium in Kopenhagen, woran er jedoch schnell das Interesse verliert. Vielmehr ist er von den Geschehnissen am Nachthimmel beeindruckt. Doch ausschlaggebend für seine Faszination an der Sternenkunde ist die Tatsache, dass die totale Sonnenfinsternis am 21. August 1960 zu einem genauen Zeitpunkt bestimmt werden kann. Zu einem Astronomie-Studium zu wechseln, ist ihm zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht erlaubt. Somit beschließt er, tagsüber an den Vorlesungen der Universität teilzunehmen und sich nachts auf die Sterne zu konzentrieren. Mit 16 Jahren beginnt Brahe seine ersten Beobachtungen festzuhalten.

Der Werdegang

Weitere Studien bezüglich der Astronomie macht Tycho Brahe an den Universitäten Leipzig, Wittenberg, Rostock und Basel. In Leipzig beobachtet er das Zusammentreffen von Jupiter und Saturn. Er stellt fest, dass bereits gewonnene Erkenntnisse über die Positionen der Sterne allesamt ungenau sind. Letztlich beschließt Brahe sein Leben präziseren Beobachtungen zu widmen.
1566 beginnt Brahe Mathematik und Astronomie an der Universität in Rostock zu studieren. Hier nimmt Pastor Lucas Backmeister, auch genannt “der Ältere”, Tycho Brahe in seine Tischgesellschaft auf, wo nur privilegierte Studenten zum Essen und anregenden Gesprächen eingeladen sind. Am 29. Dezember des gleichen Jahres kommt es zu einem Schwert-Duell mit einem Kommilitonen, wobei Brahe ein Stück seiner Nasenspitze verliert. Das fehlende Stück lässt er sich von Medizinprofessoren durch eine Gold-Silber-Legierung ersetzen. Seit dem wird er der “Mann mit der goldenen Nase” genannt. Nachträgliche Untersuchungen an seinem Schädel im Jahr 1901 ergeben, dass es sich bei der scheinbar goldene Prothese, eigentlich um eine Kupferfolie handelt.

Denkmal in Rostock
Quelle: TripAdvisor.de

Augsburger Quadrant
Quelle: wikimedia.org

Seine berühmteste Erfindung

1568 erforscht Brahe den Sternenhimmel in Augsburg. Hier entwickelt er den “Augsburger Quadranten”, um noch genauere Daten bemessen zu können. Dieser ist seine berühmteste Erfindung und wird zwei Jahre später aus Eichenholz im Stadtteil Göggingen errichtet. Eigene Untersuchungen mit dieser Konstruktion führt Brahe nicht durch, denn bis zur Fertigstellung hat er Augsburg schon verlassen.


„Der Augsburger Quadrant was das erste Präzisionsgroßinstrument der neueren Astronomie-Geschichte… Mit diesem Instrument konnte die Zenitdistanz und Position von Gestirnen genau vermessen werden…“

Quelle: physik.cosmos-indirekt.de


Der Durchbruch 

Zusammen mit seiner Schwester Sophie entdeckt Brahe einen angeblich neuen Stern im Sternbild “Cassiopeia”. Niemand kann erklären, woher dieser Stern kommt oder was genau er ist. Nach einem Jahr verblasst dieser Stern plötzlich. Seine Beobachtungen veröffentlicht Brahe in der Schrift “De nova et nullius ævi memoria prius visa Stella”. Darin widerlegt er die Auffassungen von Aristoteles, welcher die Himmelssphären als unveränderlich und harmonisch betrachtet. Diese Schrift sorgt für reichlich Aufmerksamkeit und Brahe verschafft sich so einen Namen unter den Astronomen, was ihm neue Möglichkeiten für Bekanntschaften und Forschungen eröffnet. Heute ist bekannt, dass die beiden Geschwister eine Supernova beobachteten.

Wer dreht sich eigentlich um Wen?

Dreht sich die Sonne um die Erde oder die Erde um die Sonne? Das ist die zentrale Frage in der damaligen Astronomie. Brahe schafft dazu sein eigenes Weltsystem und widerspricht damit Nikolaus Kopernikus, welcher die Sonne für das Zentrum des Universums hält. Das “tychonische Weltmodell” erklärt, warum Merkur und Venus immer in der Nähe der Sonne bleiben, warum die Helligkeit der Planeten schwankt und warum die Himmelskörper manchmal rückwärts zu laufen scheinen. Desweiteren grübelt Brahe über die sogenannten “Kugelschalen”. An diesen sollen die Planeten befestigt sein. Da sie aber nicht in sein Weltbild passen, schafft er diese “Kugelschalen” ab. Brahe erkennt als Erstes, dass sich die Himmelskörper nicht nur auf kreis-, sondern auch auf eiförmigen bzw. ellipsenförmigen Bahnen bewegen können.

Abbildung des tychonischen Weltsystems
Quelle: wikimedia.org

Ein unwiderstehliches Angebot

Wenige Jahre später macht Frederik II., König von Dänemark und Norwegen, Tycho Brahe ein unwiderstehliches Angebot. Der König selbst ist Hobbyastronom, welcher auf den Forscher aufmerksam wird. Er lockt ihn unter anderem mit der dänischen Öresund Insel “Hven” sowie mit finanziellen Mitteln. Brahe nimmt das Angebot an und lässt zuerst das Forschungszentrum “Uranienborg” (zu deutsch: Himmelsburg) errichten. Dies wird von italienischen und holländischen Künstlern sowie Handwerkern ganz nach Brahes Vorstellungen ausgestattet. Da der Platz nach und nach zu eng wird, folgt wenig später ein zweites Forschungsinstitut mit dem Namen “Stjerneborg” (zu deutsch: Sternburg). Diese beiden riesigen Bauten beinhalten eine Druckerei, Chemie-Laboren sowie verschiedene Werkstätten. Dazu kommen, die von Brahe entwickelten, Messgeräte und vieles mehr.
Außerdem unterrichtet Brahe Studenten und lebt in der Sternwarte “Uranienborg” mit seiner Familie. Seine Schwester Sophie unterstützt ihren Bruder in allen Forschungen, denn sie ist eine ausgezeichnete Mathematikerin und Astronomin. Insgesamt forscht Brahe 21 Jahre lang auf der Insel.
Ungeachtet, dass zwischen Brahe und König Frederik II. eine Freundschaft bestand, kürzt sein Nachfolger, König Christian IV., die Gelder bis er die Förderung schließlich ganz aufhebt. 1597 beschließt Brahe die Insel zu verlassen und zieht nach Hamburg weiter.

Der Komet von 1577 

Während des Aufbaus von “Uranienborg” ereignet sich ein weiteres Phänomen am Himmel, welches die Astronomen tüfteln lässt, der “Komet von 1577”. Nach erneuten Berechnungen, von vorhandenen Daten, kommt Brahe zu dem Ergebnis, dass sich dieser Komet außerhalb der Atmosphäre befinden muss. Diese Erkenntnis setzt sich aber nicht sofort durch. Vielmehr muss Brahe dafür Spott ertragen, denn zu seinen Lebzeiten zählen Kometen nicht zu Himmelskörpern, sondern werden als einmalige Erscheinung beziehungsweise als atmosphärische Störung angesehen.

Endstation Prag

Im Jahr 1599 reist der dänische Astronom nach Prag. Ihn lockt ein neues Angebot, als Hofmathematiker, von Kaiser Rudolf II. Dazu wird ihn eine Pension sowie ein Grundbesitz angeboten. 1600 stellt Brahe Johannes Kepler als Assistenten ein. Jedoch kommt es zwischen den beiden immer wieder zu Auseinandersetzungen.
Auch in Prag soll ein Forschungszentrum entstehen. Im folgenden Jahr stirbt Tycho Brahe und Johannes Kepler tritt an die Stelle als Hofmathematiker. Der Bau des neuen Forschungsinstituts wird erst nach Brahes Tod fertiggestellt.

Grabmal Tycho Brahes in der Teynkirche in Prag
Quelle: wikimedia.org

Infografik zu Tycho Brahe (zum Vergrößern anklicken)

Die genauen Beobachtungen von Tycho Brahe legen den Grundstein für die Astronomie. Durch seine Kenntnisse, dass sich Kometen außerhalb der Erdatmosphäre bewegen und den Nachweis, dass der Planet Mars eine elliptische Umlaufbahn hat, revolutioniert er die Himmelsphysik.
Nach dem Tycho Brahe verstorben ist, nutzt Johannes Kepler dessen exakten Beobachtungen und führt weitere Untersuchungen der Bewegungen des Mars’ durch. Auch die drei „Keplerschen Gesetze“ sowie die Berechenbarkeit von Kometenbahnen beruhen auf Brahes Daten. Die Zusammenarbeit von Kepler und Brahe wird heute als “Sternstunde der Astronomie” gesehen.
Im 17. Jahrhundert wird das tychonische Weltmodell von vielen Wissenschaftlern öffentlich favorisiert. Namhafte Vertreter dieses Systems sind zum Beispiel Giovanni Riccoli, Christoph Clavius und die Jesuiten Kircher.

Hier ein interaktiven Zeitstrahl zum Leben von Tycho Brahe (zum Ansehen klicken)

Beitragsbild: wikimedia.org

Text, Grafik, interaktiver Zeitstrahl von Sophie Berganski