Die Hansestadt Rostock in den Jahren 1991 bis 1995

In den anfänglichen 1990er Jahren war die Hansestadt Rostock von starken Umstrukturierungen und somit auch von der Unsicherheit der Bevölkerung geprägt. Der Mauerfall brachte enorme wirtschaftliche Probleme mit sich und mehr als 50.000 Menschen verließen die Hansestadt. Doch die Zeit des Wandels brachte auch Platz für Aufbau und Traditionen.

Das erste prägende Ereignis Rostocks im Jahre 1991 fand am 29. Juni statt. Mit der Schließung der Neptunswerft am geht nicht nur eine 140-jährige Schiffsbautradition verloren, sondern auch ein wichtiger Arbeitgeber: Von 5000 Arbeitern bleiben 1000 beschäftigt.

Das gesamte darauffolgende Jahr ist gezeichnet von den Ängsten der Bevölkerung Rostocks. Angefangen mit den Protesten der Werftarbeiter, die um ihre Arbeit fürchten, über die Besetzung der Universität gegen den drohenden Bildungsnotstand, bis hin zu den Unruhen vorm Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen, heute ein Mahnmal gegen Fremdenfeindlichkeit. Es finden in der gesamten Bundesrepublik Friedensdemonstrationen für Toleranz und gegen Rassismus statt.

Doch der Wandel nach der Wiedervereinigung bringt vor allem mehr Kultur und  Bildung nach Rostock. So spielt sich vom 28. bis 29. Juli die erste „Hanse-Sail“ im Rostocker Stadthafen ab. Dem Wunsch nach der Neuerweckung der hanseatischen Traditionen wird mit diesem Windjammertreffen Folge geleistet. Außerdem wurde die juristische Fakultät der Universität Rostock nach 40 Jahren am 30. November 1991 wiedereröffnet. Eine weitere Bildungsstätte, die ihre Rückkehr feiert, ist die Hochschule für Musik und Theater. Es gab bereits zur DDR-Zeit eine Hochschule für Musik und eine Schauspielschule. Diese fungierten später als Außenstelle von Berliner Hochschulen. Nun wurden beide Außenstellen vereint und die Hochschule für Musik und Theater ist in Rostock am 12. Januar 1994 entstanden. Das Wahrzeichen Rostocks, die Sankt Petrikirche, bekommt einen neuen Turm, an dem sich die Bürger beteiligen konnten. Die Kirche wurde 1942 bei einem britischen Luftangriff beschädigt und bis dato nur provisorisch repariert.

Die Jahre 1991 bis 1995 prägten Rostock mit einem Wandel im positiven und negativen Sinne. Die Hansestadt stagnierte wirtschaftlich und viele Menschen zog es aus Rostock. Daraufhin folgten Demonstrationen, Proteste und Unruhen. Jedoch brachte der Wandel auch einen Wiederaufbau mit sich. Bildungsstätten wurden wiedereröffnet, das Wahrzeichen wurde repariert und die Hanse-Sail entstand auf einer Tradition. Rostock war dabei, sich an die neue Zeit anzupassen.

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