Kleidung, die schon viel erlebt hat

Secondhand wird immer beliebter und auch in Rostock gibt es mehrere Läden, die es wert sind, erwähnt zu werden

Jeder Deutsche kauft 40 bis 60 Kleidungsstücke pro Jahr und gibt rund 790 € nur für Kleidung aus. Deutschland hat eine Wegwerfgesellschaft. Doch wird wirklich auch so viel gebraucht? Laut einem Bericht “Die Welt in Zahlen” von www.daserste.de werden jedes Jahr mehr als 1,5 Milliarden Textilien in Deutschland aussortiert und nur zwei bis drei Prozent der noch tragbaren Kleidung wird in secondhand Läden verkauft. Der Rest geht nach Osteuropa, den Mittleren Osten und Afrika.
Ganz lokal, hier in Rostock gibt es mehrere secondhand Läden, die vom Verkauf gebrauchter Textilien leben und das auch unterstützen und fördern wollen.

„Nur zwei bis drei Prozent der noch tragbaren Kleidung wird in secondhand Läden verkauft.“

Der Begriff secondhand kommt aus dem Englischen und bedeutet gebraucht, aus zweiter Hand.
Ein Gebrauchtwarenladen oder auch Secondhandladen kauft und verkauft gebrauchte Waren, insbesondere Kleidung. Secondhand ist also der letzte Schritt innerhalb des Textilkreislaufs, bevor das Kleidungsstück entsorgt wird.

Unversehrte Kleidung kann, auch wenn sie einem persönlich nicht mehr gefällt, weiterhin getragen werden. Anstatt sie in den Müll zu werfen, wo sie größtenteils verbrannt wird, kann sie ganz einfach weitergeben werden. So entsteht secondhand. Ungebrauchte Sachen, wie Kleidung, Bücher oder Spielzeuge werden problemlos weiter verkauft oder gespendet. Dies tut der Umwelt gut und ein bisschen Einkommen für den eigenen Geldbeutel ist auch nicht schlecht.
Doch wieso tut es der Umwelt gut, secondhand zu kaufen? Was ist daran nachhaltig?

Im Großen und Ganzen betrachtet ist es so, dass, wenn Konsumgüter länger verwendet werden, keine neuen hergestellt werden müssen und dementsprechend weniger Energie, Wasser und Rohstoffe verbraucht werden. Diese Langlebigkeit der Textilien ist vor allem dann gewährleistet, wenn diese genutzt werden, bis sie unbrauchbar geworden sind und erst dann im Müll landen. Beispielsweise werden für die Produktion einer einzigen Jeans circa 8000 Liter Wasser benötigt. Das sind 50 Badewannen, á 160 Liter. Außerdem werden durch das Verbrennen von Alttextilien giftige Gase in die Umwelt entlassen, die sowohl Pflanzen, als auch Mensch und Tier schaden.

Mittlerweile gibt es im Internet unzählige Möglichkeiten secondhand einzukaufen, wie zum Beispiel bei ebay-Kleinanzeigen, Shpock oder Kleiderkreisel. Doch auch secondhand Läden sind mittlerweile in ganz Deutschland verteilt. In Rostock-Schmarl ist #kima mit 1000m2  einer der größten secondhand shops in Mecklenburg Vorpommern. “Wie auch bei euch stapelten sich in unseren Schränken die zu klein gewordenen Sachen von unseren Kindern. Und auch die Zeit war immer zu knapp sich selbst auf den Flohmarkt zu stellen oder die Sachen ins Internet zu setzen. So entstand die Idee #kima zu gründen. Einen modernen, schicken und gut sortierten Flohmarkt.”, heißt es auf deren Website. Hier gibt es Frauen- und Kinderkleidung, Bücher, Spielzeug, Accessoires, Dvds, Plüschtiere und vieles mehr, gut sortiert und vor allem günstig zu kaufen. Aber #kima verkauft nicht nur, sondern kauft auch gebrauchte Artikel auf. Wir hauchen Allem neues Leben ein, erklärt eine Verkäuferin, selbst die Tische und Lampen sind secondhand.

Des weiteren gibt es den Laden Mischmasch. Hier besteht das Angebot aus Kleidung für Männer und Frauen. Ein weiterer secondhand Shop ist die Wühlmaus. Hier werden ausschließlich gebrauchte Baby- und Kinderartikel verkauft.

“Der Großteil der Gesellschaft ist sehr materiell eingestellt und möchte alles neu kaufen, aber meistens erkennen die Kunden der secondhand Läden nicht mal, ob die Ware nun neu oder gebraucht ist. Das ist alles Einstellungssache”, so eine Verkäuferin im Laden Wühlmaus, “Viele mögen es günstig und aus den gebrauchten Sachen sind die Chemikalien schon herausgewaschen, was vor allem in der Kinder- und Babyabteilung sehr beliebt ist.”

„Viele mögen es günstig
und aus den gebrauchten Sachen sind die Chemikalien schon herausgewaschen.“

Doch was wäre, wenn jeder nur secondhand einkaufen würde? Zwar müssten dann nicht mehr so viele Textilien produziert werden, aber es können auch viele Arbeitsplätze verloren gehen. Unsere Gesellschaft ist eine Wegwerfgesellschaft, von der zum Beispiel Baumwollbauern oder Näherinnen profitieren und ihr Leben dadurch finanzieren. Man sollte auf eine gewisse Nachhaltigkeit achten. Faire Stundenlöhne, ein gutes Arbeitsumfeld und feste Arbeitszeiten. Dabei gibt es auch verschiedene Label, auf die man persönlich achten kann, um dieses zu unterstützen, zum Beispiel Blauer Engel oder Fairtrade. Langfristig gesehen ist es also wichtig, Kleidung und Mode im Allgemeinen nachhaltiger zu machen. Dazu gehört auch, zum Beispiel auf den nachhaltigen Anbau von Rohstoffen, wie Baumwolle, zu achten oder auf Chemikalien zu verzichten, die nicht zwingend benötigt werden.

Neben secondhand Läden gibt es noch eine weitere Form für die Verwendung gebrauchter Textilien. In Rostock ist dies der Umsonstladen “Kostenlos e.V.”. Dieser wird von Ehrenamtlichen betrieben und soll finanziell schwächer gestellten Menschen helfen. Die Sachen werden kostenlos abgegeben und an bedürftige Menschen verteilt. Ansonsten kann man seine Kleidung aber auch in den altbekannten Altkleidercontainer werfen. Ganz nach dem Motto des Umsonstladens:
Weil Schenken Spaß macht.

Sechs Fragen an eine Verkäuferin des #kima:

Kaufen Sie selbst auch secondhand ein?
Klar, jeder der hier arbeitet kauft seine Sachen secondhand. Meine Schuhe und auch die Hose sind zum Beispiel von hier. Wir sind die ersten und die letzten, die hier mit den Artikeln in Berührung kommen.

Kann man dadurch in der Gesellschaft etwas
bewirken?
Man gibt sich dadurch selbst ein gutes Gefühl. Um wirklich was Großes bewirken zu können, braucht man wahrscheinlich mehrere Läden, eine Kette.

Steckt man Familie und Freunde auch damit an, secondhand zu kaufen?
Ja, auf jeden Fall.

Wie wird secondhand hier angenommen?
Sehr gut. Viele überlesen das secondhand am Eingang, obwohl es groß dransteht und fragen dann, ob es neu oder gebraucht ist. Viele sind dann überrascht, dass es sich um gebrauchte Ware handelt. Die Sachen sind in sehr guten Zustand, da wir natürlich vorher ausgiebig selektieren und Sachen mit Flecken und Löchern rausnehmen.

Wie viele Mitarbeiter sind hier ungefähr tätig?
So ungefähr 15. Wir verbringen auch viel von unserer Freizeit hier, damit alles schön wird.

Wieso heißt es #kima? Hat das eine Bedeutung?
Das wird tatsächlich sehr oft gefragt. Unsere Chefin hat einen Sohn, der sie immer Mima anstatt Mami genannt hat. Eigentlich sollte der Laden so heißen, aber das hat sich nicht durchbekommen. Also wurde daraus Kima.

Text, Interview und Fotos: Kira Müller

Kontakte:

#kima: Handwerkstraße 1
18069 Rostock (CITTI-Park)

Wühlmaus: Karl-Marx-Straße 34
18057 Rostock

Mischmasch: Ulmenstraße 7
18057 Rostock

Umsonstladen Kostenlos e.V.:
Anton-Saefkow-Straße 2
18069 Rostock

About the Author: