Heinrich Schliemann – vom Kaufmann zum Archäologen

die Kindheit

Heinrich Schliemann ist heute bekannt als der Entdecker von Troja. Die Person, die den Schatz des Priamos und die Goldmaske des Agamemnon fand. Dabei hatte er noch viel mehr in seinem Leben erreicht. Schliemann war nämlich nicht nur ein Archäologe, er war auch ein hervorragender Geschäftsmann, wodurch er zeitweise zu den reichsten Männnern Europas gehörte.

Heinrich Schliemann kommt am 6. Januar 1822 im mecklenburgischen Neubukow zur Welt. Doch bereits 1823 zieht seine Familie nach Ankershagen. Dort bekommt sein Vater Ernst Schliemann, ein Lehrer und Theologe, eine gut bezahlte Pfarrstelle angeboten. Das Familienoberhaupt hat jedoch

einen schlechten Ruf. Er ist als Lehrer in Hamburg gescheitert und hoch verschuldet. Zudem gilt er als liederlich, verschwenderisch und gewalttätig. Die Mutter Luise Therese Sophie Bürger gilt hingegen als zart, einfühlend und musikalisch. Insgesamt bekommt sie neun Kinder. Bei der Geburt des letzten Kindes verstirbt sie. Sehr zum Leidwesen des jungen Heinrich. Er selbst schrieb später in einer seiner Biografien: „Es war dies ein unersetzlicher Verlust und wohl das größte Unglück, das mich und meine Geschwister treffen konnte“

Danach zieht er zu seinem Onkel nach Kalkhorst, geht auf die Realschule und absolviert eine fünfjährige Ausbildung in einem Kramerladen in Fürstenberg.

Schliemanns Haus der Kindheit in Ankershagen. Heute Teil des Heinrich Schliemann Museums.

Leben als Kaufmann

Nach einer kurzen Zeit in Hamburg versucht Schliemann nach Venezuela auszuwandern, da er dort eine Stelle angeboten bekommt. Da er schon lange vom Reisen träumt, nimmt er an. Das Schiff, welches ihn dorthin bringen soll, strandet jedoch 1841 vor der holländischen Küste. Schliemann wird gerettet, kehrt aber nicht nach Hamburg zurück. Stattdessen lässt er sich in Amsterdam nieder. Dort fängt er mit etwas geliehenem Geld eine neue Existenz an, indem er mit dem Farbstoff Indigo handelt. Innerhalb von nur sechs Jahren lernt er ebenfalls Buchhaltung, Kalligrafie und 15 Sprachen – darunter auch russisch. Anfang 1846 kam Schliemann nach St. Petersburg, wo sein unaufhaltsamer Aufstieg als Geschäftsmann beginnt. Schliemann selbst sagt dazu: „Schon im ersten Jahr meines Aufenthaltes war ich bei meinen Geschäften so vom Glück begünstigt, dass ich mich bereits zu Anfang des Jahres 1847 in die Gilde der Großhändler einschrieben ließ“.

Da er nun über genügend Geld verfügt, reist er 1850 das erste Mal nach Amerika. Bei seinem zweiten Besuch lässt er sich 1851 in der Goldgräberstadt Sacramento nieder und gründet die Bank „Henry Schliemann“. Er handelt mit Goldstaub und Wechseln.

Aus ständiger Angst vor Überfällen verkauft er im April 1852 seine Bank und kehrt als reicher Mann nach St. Petersburg zurück.

Am 12. Oktober 1852 heiratet er seine erste Frau Katharina Lyshina. Laut Schliemann „eine russische Dame mit allen Vorzügen des Körpers und des Geistes“.

Nachdem es ihm gelingt 1864 sein Unternehmen in Russland zu liquidieren, überweist er all sein Vermögen nach Westeuropa. Zu diesem Zeitpunkt gehört Schliemann zu den reichsten Männern Europas.

1867 veröffentlicht Schliemann sein erstes Buch auf Franzözisch, woraufhin er 1869 auf Grundlage seiner bisher zwei erschienenen Bücher einen Doktortitel in Philologie an der Uni Rostock verliehen bekommt. Schon dort beschäftigt sich Schiemann mit dem Thema Troja in seinem Buch „Ithaka der Peloponnes und Troja: Archäologische Forschungen“. 1868 nimmt er die amerikanische Staatsbürgerschaft an und lässt sich von seiner Frau scheiden. 1869 lässt er sich in Athen nieder und heiratete die Griechin Sophia Engastroménos.

Troja

Das wohl wichtigste Ereignis im Leben von Schliemann ist wohl das Treffen mit dem Briten Frank Calvert 1868. Frank Calvert beschäftigte sich schon lange mit Troja und ist sich sicher, ass der Ort nur auf dem Hügel von Hisarlik liegen kann. Deshalb hatte er dort Land erworben, für umfangreiche Ausgrabungen fehlte im allerdings das Geld. Da treffen sich zwei, die perfekt zueinander passen. Der eine, Schliemann, mit Geld, der andere mit dem Wissen. Im Endeffekt war es also Frank Calvert, der Troja entdeckte. Am 26. Dezember 1868 schrieb Schliemann aus Paris an Calvert: „Ich bin nun entschlossen, den ganzen künstlichen Hügel von Hisarlik abzutragen.“ – dies zeugte nicht gerade von erfahrener Archäologie, woraufhin Calvert ihn bremste und Schliemann zur gründlichen Vorbereitung und einer Grabungserlaubnis mahnte.

Frank Calvert, lange Zeit Wegbegleiter von Schliemann und eigentlicher Entdecker von Troja.

Schliemanns Frau Sophia mit den „Juwelen der Helena“.

Nach einer zehntägigen unerlaubten Grabung 1870 beginnen im Oktober 1871 die ersten offiziellen Arbeiten auf dem Hügel in Hisarlik. Schliemann legt in den folgenden Jahren mit Helfern Mauern frei. Der größte Fund ist jedoch ein Goldschatz, den Schliemann „Schatz des Priamos“ taufte.

„Meine Hoffnungen sind übertroffen, meine Mission ist erfüllt“, schreibt Schliemann 1873.

Schliemann ist ein Marketing Talent. Er lässt Sophia die „Juwelen der Helena“ für die Presse tragen. Schmuck aus dem Fund. Er erzählt, er habe Gold im Staub glänzen sehen, die Arbeiter nach Hause geschickt und allein mit Sophia den Schatz ausgegraben. Später gab er zu, dass Sophia gar nicht dabei war. Doch das Interesse der Öffentlichkeit an den antiken Funden ist geweckt, Schliemann wird berühmt.

Doch er hört nicht auf Calvert, der ihm sagt, dass es einen Irrtum bei der Datierung der Funde gibt, die aus einer früheren Epoche stammen. Etwa 1300 Jahre vor dem trojanischen Krieg. Somit kann der Schatz nicht von dem legendären König Priamos stammen. Dennoch sind die Funde Schliemanns, die mehr als 30.000 Exponate umfassen, archäologisch bedeutend. Er vermacht sie zu Lebzeiten dem Deutschen Staat. Heute ist ein Teil davon im Neuen Museum in Berlin zu sehen. Während des Zweiten Weltkriegs fällt der Schatz des Priamos der Roten Armee als Kriegsbeute in die Hände. Ein halbes Jahrhundert gelten die unschätzbaren Kostbarkeiten als verschollen, bis die russische Regierung die Verwahrung des Schatzes im Moskauer Puschkin-Museum bestätigt.

Die Zeit nach Troja

Schliemann beschränkt seine archäologischen Ausgrabungen nicht nur auf Troja. Unter anderem gräbt er auch in Mykene. Auch hier ist wieder Homer die Grundlage, und wieder wird Schliemann fündig. Er fördert eine prächtige mykenische Totenmaske aus Gold zutage. Für Schliemann der Beweis, dass Homers Erzählungen auf einer wahren Begebenheit beruhen. Die Goldmaske kann laut ihm nur die Maske des mykenischen Heerführers Agamemnon sein.

Auch Grabungen in Orchomenos, Ithaka und Tiryns sind erfolgreich. Er versucht ebenfalls die Ruhestätte Alexander des Großen in Alexandria zu finden. In den letzten Jahren seines Lebens muss Schliemann einige Irrtümer seiner Arbeit anerkennen.

So ist es nicht der Schatz des Priamos, den er gefunden hat. Der Schatz stammt aus einer Zeit lange vor Troja. Und auch die Goldmaske des Agamemnon stammt nicht aus der Zeit des trojanischen Krieges. Sie ist die Bestattungsbeigabe an einen mykenischen Fürsten, der rund 300 Jahre vor dem berühmtem Herrscher der Griechen – falls es ihn je gegeben haben sollte – im Mykene lebte und starb.

Heute gilt Schliemann, trotz seiner anfangs rabiaten Methoden, als einer der Wegbereiter der modernen Archäologie. Und er hat sich, trotz all seiner falschen Zuschreibungen, mit der Vorstellung durchgesetzt, dass Homers Epen einen historischen Kern bergen und dass es Troja und den Herrführer Agamemnon wirklich gab.

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