Otto Stern, der Nobelpreis und die Nationalsozialisten

Die Themen für den Nobelpreis für Physik sind wohl den wenigsten Laien verständlich. So hat ihn 1918 Max Planck für die Entdeckung der Energiequanten bekommen, 1958 Pawel Tscherenkow für den Tscherenkow-Effekts oder auch Robert Betts Laughlin und Horst Ludwig Störmer die 1998 ihren Nobelpreis für ihre Entdeckung einer neuen Art von Quantenflüssigkeit mit fraktionell geladenen Anregungen bekommen haben. Und so bekam ihn auch Otto Stern 1943 der insgesamt 82 mal zwischen 1925 und 1945 nominiert wurde für für seine Beiträge zur Entwicklung der Molekularstrahlmethode und die Entdeckung des magnetischen Moments des Protons. Für Laien schwer verständliche Kost. Für die Physik und die Entwicklung verschiedenster praxisnaher Anwendungen oder Weiterentwicklungen nicht zu bemessene Glücksfälle.

Stern wurde der Nobelpreis 1943 In New York übergeben und zwar als Amerikaner deren Staats-
bürgerschaft er 1939 annahm. Bis zum Jahre 1939 war er Deutscher obwohl er schon 1933 in die USA emigrierte. Für Stern der sehr an Politik interessiert war ein Glücksfall, kam er doch den Nazis zuvor. Denn die haben in seiner Hamburger Zeit von 1923-1933 sich langsam an die Macht gesetzt, was Juden und dieser war Stern ein „normales“ Schaffen fast unmöglich machte. Viele Lehrkörper wurden in diesen und darauffolgenden Jahren aus dem Universitätsbetrieb entlassen. So auch viele von Sterns Mitarbeitern. Wohl nur Sterns weltweite Reputation erlaubte es ihm sein Universitätsdasein noch etwas fortzusetzen. Doch ohne Assistenten und Vertraute war an ein erfolgreiches Schaffen nicht mehr zu denken. Und so entschied sich Stern nicht auf die Kündigung zu warten,

die wohl mit dem dem Gesetzes zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ das von den Nazis am 7. April 1933 erlassen wurde, gekommen wäre.Sondern er bat am 30. Juni des selben Jahres per Telegramm um seine Entlassung und führte an das dieser ein schmerzhafter Schritt wäre. Stern hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Schon um einiges früher knüpfter er Kontakte ins Ausland um dort weiter Forschen zu können. Er nahm Urlaub, besuchte noch Europäische Städte und gelang dann mit einem Schiff über Antwerpen und England nach Amerika. In England stieg ein weiterer Weggefährte Sterns mit seiner Familie dazu. Es war Immanuel Estermann mit dem er schon vor seiner Hamburger Zeit an der Universität in Rostock gearbeitet hat. Beide zog es nach Pittsburgh ans Carnegie Institute. Er verlass für immer das Land für das er noch freiwillig im 1.Weltkrieggedient hatte.

Wie bei so vielen anderen wandte sich auch Stern vollkommen von Deutschland ab. Der Krieg war vorbei,
alte Freunde luden ihn nach Deutschland ein aber er setzte nie wieder ein Fuss in das Land in dem er seine größten wissenschaftlichen Errungenschaften erzielte. Die Göttinger Akademie der Wissenschaften die ihm während der Zeit der Nationalsozialisten die Mitgliedsschaft entzog , wandte sich nach dem Krieg 1946 in einem Schreiben an Stern.

„Nachdem die bedauerlichen Umstände, die seinerzeit zu Ihrem Ausscheiden geführt haben,
nicht mehr bestehen, bitten wir Sie, Sie wieder als Mitglied führen zu dürfen. „

Anhand seiner Antwort lässt sich sehr direkt auf Sterns Gefühlszustand schliesen.

„Ich danke der Göttinger Akademie für ihre Aufforderung. Jedoch machen die unfaßbaren Geschehnisse
der Hitlerzeit es mir unmöglich, mich wieder als Mitglied der Göttinger Akademie zu betrachten.

Die Akademie die seit 1933 unter dem „Führerprinzip“ von einem NSDAP Mitglied geleitet worden war. Sortierte wie es damals hies „jüdisch versippte“ aus. Darunter nicht nur Stern dem am 1.September 1938 die Mitgliedschaft entzogen wurde, sondern auch andere illustriere Namen wie: Max Born, Lise Meitner und Albert Einstein um nur einige zu nennen. Deutschland, welches vor der Hitlerzeit als einer der führenden wissenschaftlichen Länder galt, blieb nun nach der Hitlerzeit nichts

weiter übrig als sich dem Verlust zahlreicher schlauer Köpfe bewusst zu werden. Darunter auch Stern.
Sein Labor und das Zentrum der Molekulahrstrahl-
forschung in Hamburg verschwanden. Erst 1988 ist dort eine ihm gewidmete Gedenktafel enthüllt worden. Das Buchband „Otto Sterns gesammelten Briefe – Band 1“ gibt weiteren Aufschluss über Sterns Befinden und Gefühle in der Zeit der Nationalsozialisten.


In Amerika verfolgte er weiter seine Physikalischen Forschungen und einige seiner alten Weggefährten wie Nils Bohr und Wolfgang Pauli besuchten ihn dort. Und es folgten von nun an fast jedes Jahr Europa-
reisen. Otto Stern starb am 17.August 1969 bei einem Kinobesuch an Herzversagen. Deutsche Ehrungen erlangte er erst sehr viel später. So widmet die Deutsche Phsikalische Geselschaft, kurz DPG Stern und Walther Gerlach eine Medaille für höchste die Auszeichnungen in der experimentellen Physik. Als Preis gibt es diese seit 1986 und in Medaillen-
form seit 1992. Des weiteren vergibt die Universität


Hamburg jedes Jahr seit 2005 den Otto Stern Preis für die beste Masterarbeit im Fachbereich Physik. Die Universität Frankfurt in der Stern von 1914 bis 1921 lehrte widmet ihm das 2011 fertiggestellte Hörsaal und Bibliotheksgebäude , das Otto Stern Zentrum. Otto Sterns Vermächtnis für die Physik bleibt bestehen. Was wären heute Quantenphysiker und ihre Forschungen ohne Stern? Ohne jemanden der die Experimentelle Physik liebte, 82 mal für den Nobelpreis nominiert wurde und ihn schlussendlich für etwas bekam das nicht einmal seine wohl bekannteste Arbeit, der Stern- Gerlach Versuch, war.

Text und Grafiken: Jens Kohnke

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