Die Tafel

Ein Weg gegen die Lebensmittelverschwendung

Täglich werden Tonnen von Lebensmitteln vernichtet.
Deutschland und Rostock sind da keine Ausnahme.
Die Tafel rettet diese und gibt sie an hilfsbedürftige Menschen.

Stichwort Lebensmittelverschwendung!
Wissen sie wieviel Lebensmittel sie im Laufe eines Jahres entsorgen und wieviel davon noch genießbar gewesen wäre? 18 Millionen Tonnen werden jährlich in Deutschland weggeworfen, das sind 570 Kg pro Sekunde die im Müll landen. Weltweit landen jährlich stattliche 1,3 Milliarden Tonnen im Müll . Das sind zwar alles nur Schätzungen, da eine genaue Erfassung aller Lebensmittelabfälle unmöglich ist. Doch belegen diese einheitlich, dass genug Essen da wäre, um uns alle zu ernähren. Und doch leiden Menschen Hunger. Auch hier im Sozialstaat Deutschland. Und um diejenigen die es sich oftmals nicht leisten können, frisches Essen zu kaufen, um die kümmert sich die Tafel. Wenn die Betroffene sich denn trauen und kommen.

Frau Beate Kopke, Chefin der Rostocker Tafel, ist eine viel beschäftigte Frau. Da ist die Tafel nur ein Tropfen auf den heißen Stein, heißt es, wenn sie auf die Lebensmittelverschwengung angesprochen wird. Aber immerhin wenigstens etwas und helfen tut die Tafel mit jedem Lebensmittel was sie einsammelt und wieder ausgibt dennoch. In Deutschland gibt es über 940 Tafeln, Tendenz steigend. 29 davon
in Mecklenburg-Vorpommern.  Und eine davon mit ihren 15 Ausgabestellen in Rostock.

Ehrenamtliche Helfer in der Rostocker Zentrale beim sortieren der Waren für die Ausgabestellen

Die Tafel wird gebraucht. Da sind sich alle einig, die von ihr profitieren und das sind deutschlandweit ca. 1,5 Millionen Bedürftige. Alles, was sie brauchen ist, ihre Bedürftigkeit nachzuweisen, sich anzumelden und hinzugehen und einen kleinen Obulus bezahlen. Der Rest ist Ehrensache. Denn ohne die vielen Ehrenämter, die sich für die Tafel einsetzen, würde nichts laufen.  Das Essen würde nicht abgeholt, nicht verteilt, nicht ausgegeben werden können. Es würde schlicht und einfach wie viele andere Tonnen Nahrung auch vergammeln. Die Rostocker Tafel unterstützen über 100 ehrenamtliche Mitarbeiter. Einige von ihnen selber bedürftig. Die meisten sind schon etwas älter, aber auch Studenten und einige Schüler helfen ab und an aus, berichtet Frau Kopke. Sie sammeln ein, sie sortieren nach Art des Produktes, denn jedes hat im Lager seinen eigenen Platz. Und natürlich schauen sie nach, ob die Lebensmittel bereits schimmeln oder nicht, diese werden dann aussortiert und dürfen nicht verteilt werden. Genauso sieht es mit abgelaufender Fleisch oder Fischware aus. Und einmal aus der Kühlkette genommen dürfen auch Kühlprodukte nicht mehr verteilt werden. Was in Rostock nicht an die Menschen gebracht wird, bekommt der Bauer.

  Die vorderen Plätze der verschwendeten Lebensmittel obwohl diese noch genießbar wären – Quelle: Statista 2018

Jeder kann helfen und Hilfe wird gebraucht, nicht nur Muskelschmalz. Auch finanzielle Unterstüzung ist lebensnotwendig. Die Tafel ist ein Verein und dazu ein sozialer. Hier wird kein Gewinn erwirtschaftet. Spenden, Spenden und nochmals Spenden, ohne diese und die Ehrenämter würde es die Tafel nicht geben. Und wieder Spenden, Spenden, Spenden. Frau Kopke wird nicht müde auf dieses Problem hinzuweisen.  Mercedes hat die Autos gesponsert, doch das Benzin bezahlt sich nicht von alleine. Lidl als einer der Hauptpartner hier in Rostock unterstützt auch mit eine Masse an Lebensmitteln.  Doch wo lagern und wo an die Bedürftigen ausgeben? Und wieder wird Geld gebraucht. Für Miete, für Lagerkosten, Strom für die Kühllager. Alles kostet. Das einzige, was etwas einbringt, ist der Obulus fürs Essen, und so errechnet Herr Frank Hammer, Leiter der Lebensmittelausgabe in der Stadtmitte die Einahmen der dieswöchigen Ausgabe.Ein Bedürftiger mit Warnowpass, denn dieser berechtigt zur Mitnahme des Essens bezahlt 2,50 € eine Familie 3,50 €.

Einmal die Woche gibt es eine Essensausgabe. In der Stadtmitte wird es in der St Michaeliskirche ausgegeben. Die Räume stellt die Gemeinde zu Verfügung. Aufbau, warten auf den Transporter mit den Lebensmitteln, Einräumen, jeder Ehrenamtliche steht an seinem Platz und los geht’s ,Türen auf. Von nun an geht es Schlag auf Schlag, bis alle Bedürftigen versorgt sind. Abbau, und falls etwas übrig bleibt, und das ist selten, wieder zurück in den Transporter, Aufräumen und bis zum nächsten Mal

Ob es 1963 in Phoenix – Arizona in den USA auch so ausgesehen hat weiss keiner der Ehrenamtlichen vor Ort, doch die erste Tafel stammt aus der Zeit. „St. Marys Foodbank“ hieß sie und die Idee sollte sich ausbreiten. Zuerst in Amerika und ab Mitte der 80er auch in Europa. Seit 1996 dann auch in Rostock. Früher im Fischereihafen, heute in Reutershagen in der Walter-Stöcker-Str. Die erste Ausgabestelle öffnete 1998 in Schmarl ihre Pforten. Von da an ist die Rostocker Tafel ständig gewachsen.

die Jetztige Leiterin der Tafel Frau Beate Kopke
mit dem ehemaligen Leiter Jürgen Wegner

Frau Kopke übernahm das Amt der Leiterin 2016 und seitdem klingelt das Telefon. Hier ein paar neue Kisten für die Ware, da ein neues Auto denn das Alte ist kaputt. Klinkenputzen für neue Schulranzen. Denn die Tafel unterstützt die Bedürftigen nicht nur mit Essen. Ein Teil der Bedürftigen hat Kinder und die kommen in die Schule. Und das ohne Schulranzen, unvorstellbar. Doch wo kein Geld für Essen, da ist auch kein Geld für Schulsachen und so wandte sie sich an Firmen und bat um kleine Sachen. Schulranzen, Schultüten und was sonst so zu Einschulung gehört. Und wo gelernt wird, soll auch gegessen werden. Die Tafel beliefert Schulen auch mit Schulessen. Das, was die Linke durchsetzen will, nämlich freies Essen für alle Schüler, erledigt die Tafel schon jetzt im kleine Rahmen. 3 Schulen werden in Rostock täglich mit Essen beliefert. So bekommen auch Kinder von Bedürftigen eine Mahlzeit. Denn wie jeder weiss. Mit leerem Magen lernt es sich schlecht. Frau Kopke ist vielbeschäftigt. Das Telefon klingelt ständig. Diesmal Ehrenamtliche die ein paar Fragen haben. Dann wieder die Presse die um Auskunft bittet.  Nachdem die Probleme gelöst worden sind, gibt es immer wieder die Fragen nach Spenden. Geld wird gebraucht.  Denn ohne Geld keine Tafeln.

Rund 200.000 Kg genießbarer Lebensmittel werden jährlich von der Tafel gerettet und verwertet. Zum einen freut sich Frau Kopke, dass es so viele Lebensmittel sind die sie weitergeben kann, aber es könnten auch viel mehr sein. Denn haben ist besser als brauchen und noch immer schmeissen die Discounter Massen an Nahrung weg. Zum anderen ärgert sie aber auch die Verschwendung der Verbraucher. Vielleicht liegt es auch daran, dass auch heutzutage immernoch ein Unverständnis gegenüber dem MHD – dem Mindesthaltbarkeitsdatum herrscht. Doch das MHD ist kein Verbrauchs oder Verfallsdatum, die meisten Lebensmittel sind auch danach noch einige Tage genießbar. Manche von ihnen  wie Tiefkühlgemüse oder Obst sogar bis zu 6 Monate und doch schmeissen viele mit Ablauf des MHD das Essen weg. Das hat auch die Bundesregierung registriert und will bis 2030 die Lebensmittelveschwendung halbieren, so die Landwirstschaftsministerin Julia Glöckner.„Nationale Strategie zur Reduzierung  der Lebensmittelverschwendung“ heißt es und es geht zum Beispiel um intelligente Verpackungen auf denen nicht das MHD sondern die Verzehrbarkeit angezeigt wird. Zu dieser „Nationalen Strategie“ trägt die Tafel schon seit Jahren bei.

Fakten , Daten und Zahlen zur Lebensmittelverschwendung weltweit

Die Tafeln brauchen Hilfe, damit sie helfen können. Unterstützung beginnt mit den ehrenamtlichen Helfern. Ohne sie und ohne Gelder würden Menschen hungern.

Laut WWF hat die Menschheit dieses Jahr 122 Tage Essen für die Tonne produziert. Alles Essen was vor dem 2. Mai produziert worden ist wäre somit nicht gegessen sondern weggeworfen worden. Der 2. Mai ist ironischerweise auch der Tag der Lebensmittelverschwendung.
Hunger ist kein Muss.  Und die Tafel ist für eine Menge Bedürftige die einzige Möglichkeit nicht täglich zu Hungern.

Logo der Tafeln

Lebensmittel sind nicht nur zum Essen da, anscheinend geht es den meisten von uns so gut das jeder pro Jahr ca 80Kg noch genießbarer Lebensmittel wegwirft. Die Wegwerfgeselllschaft lässt grüßen. Und dabei gibt es großen Notstand auf der Erde und bei uns in Deutschland, denn nicht jeder kennt es immer und überall Essen zu können. Bedürftige nennt man sie im Fachjargon. Und wer kümmert sich um diese Menschen? Wenn es um Nahrung, also ums Essen geht dann steht die Tafel mit ihren über 2000 Ausgabestellen hierzu Lande an erster Stelle. Hierzu eine Reportage von Jens.

Grafiken & Text und Reportage von Jens Kohnke

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