Kunst in der KTV – Interview mit Bettina Bauer

Das Artquarium befindet sich im Herzen der KTV und bietet verschiedene Kunstwerke zum Kauf an. Das Artquarium ist eine Produzentengalerie, in der verschiedene Künstler ihre Waren zum Verkauf anbieten. Kevin Sauer hat zu diesem Thema mit Bettina Bauer über das Artquarium, die KTV und ihren Werdegang gesprochen.

Ist die KTV der idealste Ort für das Artquarium?
Ich weiß nicht, ob es der beste Ort ist für das Artquarium, aber in der Innenstadt ist das einfach unerschwinglich, die Mieten sind dort einfach viel zu hoch. Es hat seine Vor- und Nachteile hier zu sein. Hier kommt zum Beispiel wenig Laufpublikum vorbei. Touristen sind hier sehr selten unterwegs. Das ist eher ein Nachteil für uns.

Wie lange kennen sie die KTV schon und wie hat sie sich verändert?
Lustigerweise noch gar nicht so lange, also vielleicht zehn Jahre oder so
Seit ich sie kenne sind hier immer viele Studenten unterwegs, ich sehe hauptsächlich junge Leute. Das genieße ich sehr, es ist halt ein sehr lebendiges Viertel. Das finde ich schön.

Wie lange sind sie bereits Teil des Artquariums?
Ich glaub jetzt seit drei Jahren.

Wie viele Künstler sind hier beteiligt?
Ich glaub das sind jetzt elf, müsste ich durchzählen, aber so ungefähr.

Wissen sie, wie die Idee entstanden ist?
Das ist eigentlich heutzutage ein gängiges Konzept so eine Produzentengalerie zu machen, wo halt jeder seine eigenen Produkte ausstellt, für seine Kosten verkauft und für die anderen mitverkauft. Der Vorteil: man muss nicht noch etwas abgeben an jemand anders. Man zahlt nur Miete, man teilt sich die Miete und dadurch funktioniert das Ganze.

Bettina Bauer ist bereits seit elf Jahren ein Teil des Artquariums. Sie stellt Schmuck aus Pergament und Silber her.

Verstehen sie sich gut mit den anderen Künstlern oder haben sie eher wenig Kontakt?
Wir haben wenig Kontakt, weil jeder abwechselnd Ladendienst macht. Also die anderen haben Ladendienst, wenn ich gerade nicht hier bin. Aber einmal im Jahr treffen wir uns auch oder es kommt mal einer von den Rostockern vorbei zwischendurch?

Und es gibt keinen Streit oder ähnliches?
Es gibt bestimmt immer mal wieder einen Konflikt, aber das lässt sich klären. Ganz normal.

Sie stellen ja Schmuck her, was bedeutet ihnen Schmuck? Sie tragen ja selber nicht so viel Schmuck.
Naja, zwei Ringe und eine Kette, reicht eigentlich. Ich hab Schmuck schon immer toll gefunden und anziehend. Es ist einfach eine Form des Ausdrucks und es ist spannend, was die Leute mögen, also wovon sie sich angesprochen fühlen.

Und wie es die Leute verändert. Ich mache zwei sehr unterschiedliche Schmuckarten und ob sie dann den einen Schmuck ausprobieren oder den anderen und was sie so als erstes greifen, das passt meistens auch.

Ist es denn möglich den Charakter eines Menschen am Schmuck den er trägt zu erahnen?
Solche Spekulationen stell ich ganz gerne mal auf, wenn ich Langeweile habe, aber ich versuche es nicht zu tun.

Treffen die Spekulationen dann oft zu?
Kann ich nicht sagen, ich meine die Leute kaufen was und dann sind sie wieder weg. Um sie kennenzulernen ist der Zeitrahmen einfach zu kurz. Manche kommen zwar immer wieder und man erlebt sie dann immer wieder, aber ich würde jetzt nicht wagen ihren Charakter daran abzulesen.

Auch Dekoartikel gehören zum Sortiment des Artquariums

Was hat sie denn überhaupt dazu bewegt Schmuck herzustellen und zu verkaufen?
Also erstmal war das so, als ich noch jung war, dass ich gar keine andere Idee hatte als irgendwie in Richtung Kunst zu gehen. Ich habe immer unheimlich gerne gemalt, gezeichnet und gebastelt. Und da war dann halt irgendwann die Frage, was ich damit mache. Ich hätte mir auch vorstellen können Töpferin zu werden, aber ich habe dann irgendwie Schmuck gewählt. Ich hab schon mit 15 oder 16 die ersten Versuche gemacht Schmuck herzustellen und bin dann irgendwann an jemanden geraten, der hat so Knochen bearbeitet und daraus Schmuck gemacht mit einem kleinen Mini Motor und das habe ich dann auch gemacht. Das war ganz spannend. Dann habe ich unterschiedliche Materialien ausprobiert. Ich wollte eine Goldschmiedelehre machen, es war aber in den 90er Jahren recht schwierig an sowas ranzukommen.

Ich habe damals viele Bewerbungen geschrieben aber nur Absagen bekommen und dann bin ich halt nach Heiligendamm und habe Schmuckdesign studiert.

Und wie sind die dann hier gelandet?
Anna kenne ich noch von früher. Die Anna Silberstein, die hier ihre Werkstatt hat und das Artquarium mitbegründet hat. Wir hatten in Güstrow bis vor ein paar Jahren auch noch so eine Produzentengalerie, die wir dann aber aufgelöst haben. Und dann war die Frage: “wo kann ich weiter machen?”

Kooperieren sie eigentlich auch mit anderen Läden in der KTV oder macht jeder so sein Ding?
Soweit ich das mitbekomme ist Anna schon sehr engagiert. Wir sind auch immer in diesem kleinen Heftchen, “Rostock Perlen” heißt das glaub ich. Also da gibt es wohl schon einen Austausch.

Textilien sind ebenfalls erwerbbar und werden von Asta Rutzke designed.

Kann man aus der Art der Kunst auf den Charakter des Künstlers schließen?
Ich find zwar, dass Töpfer immer so geerdete Leute sind. Irgendwie mag ich die alle gerne.. Aber, nee, das kann man nicht sagen. Man kann auch nicht sagen, dass alle Maler verrückt sind. Es mag schon sein, dass Schmuckleute eine Vorliebe fürs Detail haben, für kleine Dinge. Und sicher macht das auch etwas mit einem, wenn man nur so im kleinen Bereich arbeitet.

Aber die sind ja unter sich noch einmal so unterschiedlich die Leute.

Gibt es Schmuck, den sie gar nicht mögen?
Ja, eigentlich alles was populär ist gefällt mir nicht, so wie dieses Pandora Zeug, ich kanns nicht verstehen. Das ist einfach nur ein großer Markt. Das hat mit guter Gestaltung finde ich nichts zu tun. Eher mit Status und da bin ich nicht so Freund von, Schmuck deswegen zu kaufen, weil es ein Statussymbol ist.

Text/Bilder: Kevin Sauer


Das Artquarium befindet sich in der KTV im Barnstorfer Weg 36.

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