Entstaubter Stern strahlt wieder – Handeln am Sternplatz

Schon zwei Jahre steht die Markthalle in Toitenwinkel nun leer, doch das soll sich jetzt ändern.

Projekte kommen, Projekte gehen. Leute kommen, Leute gehen. Die Bewohner in Toitenwinkel sind das längst gewohnt. Doch das soll sich, dank zwei junger Frauen, die den Sternplatz in Toitenwinkel nun richtig aufmischen, ändern.

 

 

Brunnen mit Wasserlauf am Sternplatz

Ein altes Gutsland zwischen der Warnow und der Rostocker Heide – der Toitenwinkel im Jahr 1218. Nach der ersten mecklenburgschen Landesteilung von 1229 gehörte Rostock der Stadt Rostock und der Toitenwinkel zur Herrschaft der Fürsten von Rostock.

Vor allem die Adelsfamilie “Moltke” spielt in der Geschichte des Toitenwinkel eine wichtige Rolle. Bereits 1262 kaufte Johann von Moltke den Toitenwinkel von dem Fürsten Borwin zu Rostock. Bis 1677 wechselte der Toitenwinkel mehrfach zwischen den Moltkes und der Stadt Rostock. Erst im Jahr 1952 wird er in die Stadt Rostock eingemeindet. Ab diesem Zeitpunkt wurde Toitenwinkel weiter ausgebaut. Knapp 30 Jahre später wohnten bereits 3000 Mieter im Wohngebiet Hafenbahnweg. Noch ein Jahr später wurde die erste Wohnungsbauplatte gesetzt.

 

Zunächst waren Wohnungsbauplatten durch ihre schnelle Fertigstellung sehr beliebt und boten während der Wende viele Wohnungsmöglichkeiten. Doch bereits zehn Jahre nach ihrer Hoch-Zeit, nahm die Beliebtheit ab.

“Weil die Plattenbauten weniger begehrt sind, blieben die Mieten hier niedrig. In den Stadtzentren wird’s hingegen immer teurer. Der Bau neuer Wohnhäuser im Nordwesten und Nordosten der Stadt soll die soziale Durchmischung weiter fördern.”(Ostseezeitung- “Arme und Reiche leben in Rostock getrennt voneinander” vom  21.11.2018)

Um gegen diese Ungleichheit anzugehen, müssen Rostocks Stadtteile gefördert werden. Die Aktivität und Zukunftsfähigkeit der Stadtteile als Standorte zum Wohnen, Leben und Arbeiten müssen gesteigert werden. Eine sozial und ökonomisch gerechte Stadtentwicklung.

 

Der Toitenwinkler Sternplatz

Diesem Projekt haben sich auch zwei junge Frauen angenommen.
Maria Schulz und Ellen Fiedelmeier sind Leiterinnen des Projekts, die leerstehende Markthalle am Sternplatz in Toitenwinkel wieder aufleben zu lassen. Diese Markthalle (ehemals Sky) steht mittlerweile seit gut zwei Jahren leer und war bis dahin immer ein großer und wichtiger Anlaufpunkt für die Bewohner von Toitenwinkel. “Wir haben begriffen, dass die Markthalle eigentlich der Dreh- und Angelpunkt ist. Sie ist der Anfang von einem Problem für dieses Quartier und wir haben dann gesagt, eigentlich müsste man das drehen und sagen, dass der Leerstand ein Potenzial ist. Wir haben in der Stadt überall Raummangel und super viele Gruppen und Ideen, die Raum brauchen. Also los, die müssen wir zusammenbringen”, so Maria Schulz. Sie und Ellen Fiedelmeier organisieren seit April diesen Jahres regelmäßig Workshops zum Thema und füllen diese mit vielfältigen Projekten. Es sollen zeitgemäße Lösungen durch Kooperationen gefunden werden, um für neue gemeinsame Perspektiven für die Zukunft zu sorgen.

Die Eingangstür zur Markthalle

Stabile nachhaltige Strukturen und eine verantwortungsvolle Koordination für die Organisation neuer gemeinsamer Projekte entwickeln. “Zum Beispiel machen wir jetzt auch Ausstellungen. Jemand will Musik auflegen und gleichzeitig künstlerische Workshops anbieten, dann gibt es noch den Flohmarkt, es gab ein Theaterstück, ein Konzert. Ideen gibt es wirklich viele und ich habe gerade das Gefühl, dass wir jetzt in der Lage sein würden einmal im Monat ein neues Format anzubieten. Es entwickelt sich gerade total. Wir bekommen mehr Anfragen, als wir durchführen können. Die Halle hat aber auch echt einen schönen Charme. Da gehen in den Köpfen Ideen auf.” Doch auf längere Sicht muss dort ein ordentliches wirtschaftliches Projekt hinter sein. So etwas wie eine Betreibergruppe. Und genau nach so einer Gruppe sind Maria Schulz und Ellen Fiedelmeier auf der Suche. Gerne können sich Interessierte direkt melden und jede Idee ist herzlich Willkommen bei den Beiden. Im nächsten Jahr wollen sie ein Büro aufmachen, was vor Ort für Besucher offen stehen wird. Bis dahin werden jedoch noch weitere Veranstaltungen bevorstehen.

Ihr Ziel: Mit Hilfe von Partnern und der Bevölkerung neue Ideen zu sammeln und zu entwickeln, um die Markthalle wieder zu beleben.
Maria Schulz und Ellen Fiedelmeier
 
weitere Infos unter
https://stadtgestalten.org/unser-sternplatz/
 

Die leerstehende Markthalle (ehemals Sky)

4 Fragen an Maria Schulz:

Wie wird das Projekt von den Anwohnern so angenommen, besuchen Viele die Workshops?
Das ist sehr wellenartig. Am Anfang wurden eher die angelockt, die schon seit 20- 30 Jahren da leben und die ganze Geschichte dieses Platzes kennen. Es war wohl ein schöner sehr beliebter Ort. Das war dann auch die Motivation da mitzumachen.  – Wir wollen das zurück. Wir sind hierher gezogen, wir leben wir, es war doch mal so schön, es kann doch nicht sein, dass jetzt alles so den Berg runter geht.- Wen wir jetzt allerdings noch nicht so gut erreicht haben, sind Menschen des mittleren Alters, also so 25 bis 50 ungefähr. Kinder und Jugendliche haben wir ganz gezielt über die Schulen eingeladen, sind durch die Kaufhalle gegangen und haben gequatscht, was sie sich hier vorstellen können. Indoor Skatehalle, Kino, ein Indoorspielplatz. Ganz viele Sachen sind dann aufgekommen, also wie ein großer Trichter. Ideen, Visionen, Vorstellungen kann man ja viele haben, aber was ist so die stärkste Idee wo die meiste Energie dahinter steckt und wo gehen Leute nachher in die Umsetzung.

Wie lange gibt es das Projekt jetzt schon?
Ungefähr ein Jahr. Der erste Workshop war Ende April und davor waren erstmal ein paar Monate Vorbereitung. Wir wollten erstmal die Leute kennenlernen, politischen Gremien und Kommunal Verantwortliche, um zu verstehen wie die Situation hier überhaupt ist. Wieso ist es so schwer sie zu vermieten. und was steckt dahinter?  Jeder Stadtteil hat seine eigene lange Geschichte und da hatte ich Respekt vor, dass wir nicht einfach hinkommen und sagen wir machen jetzt das und das und das funktioniert. Sondern erstmal gucken, wer ist überhaupt da. Das sind super viele Gespräche.

Wieso ist das so schwer sie wieder zu vermieten? Man könnte doch auch wieder einen Supermarkt reinsetzen?
Das wurde alles versucht. Alle möglichen Firmen  haben sich das angeguckt. aber die Fläche ist nicht mehr interessant. Es ist eine ziemlich große Dichte an Discountern und Supermärkten drum herum und der Platz ist verkehrsmäßig nicht angebunden. Früher wo das geplant war, hat das total Sinn gemacht. mitten im Stadtteil, schön nah, die Leute gehen schnell mal einkaufen, aber so ist es schwierig.

Kann man sich mit Ideen dann einfach melden, auch ohne bei den Workshops dabei zu sein?
Ja, unbedingt. Wir wollen im nächsten Jahr auch ein lokales Büro vor Ort haben. Im Moment pendeln wir noch. Aber wir wünschen uns sehr, dass Leute mit ihren Ideen zu uns kommen.

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