Gemeinsam an die Menschen von Morgen denken

Rostock handelt nachhaltig

Einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, das bedeutet Nachhaltigkeit. Jedoch verbrauchen die Menschen viel zu viel. Nachhaltiger Konsum bedeutet vor allem bewusster Konsum. Die Frage, was der Einzelne tun kann, wird immer präsenter und die Hansestadt Rostock hat einige Anlaufpunkte, wenn es darum geht nachhaltig zu agieren.

Reparieren statt aussortieren

Jeden ersten und dritten Donnerstag des Monats gibt es eine günstige Gelegenheit umweltbewusst aktiv zu werden. Im Schiffahrtsmuseum (Societät Rostock maritim e.V.), in der August-Bebel Straße 1, findet das Repair Cafe statt. Ansprechpartner hier ist Thomas Kielhorn.
Hier kommen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen zusammen, um ihre kaputt gegangenen Dinge wieder instand zubringen. „Es kann aber auch schonmal passieren einen Gegenstand kaputt zu reparieren.“ so Kielhorn. Damit die Instandsetzung erfolgreich ist, stehen ehrenamtliche Helfer bereit, welche mit Fachwissen unterstützen. Auch die benötigten Werkzeuge und Materialien sind vorhanden. Die Besucher können eine Menge lernen oder vorhandenes Wissen an andere weitergeben. Jeder hat die Möglichkeit, auch ohne defekte Gegenstände hineinzuschauen und anderen zu helfen.  Bücher, rund um die Themen „Reparatur“ und „Heimwerken“, lassen sich neben einer Tasse Tee oder Kaffee durchforsten.

Gründerin der Repair Cafes ist Martine Postma aus den Niederlanden. Sie engagiert sich seit 2007 für Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene. Im Oktober 2009 startete sie das erste Repair Cafe in Amsterdam, welches sich als großer Erfolg herausstellte. Zusammen mit der Unterstützung von Martine Postma und ihrer Stiftung „Stichting Repair Café“, ist es jedem möglich ein eigenes Repair Cafe zu eröffnen.

Martine Postma

Martine Postma gründete das erste Repair Cafe; Quelle: http://repaircafe.org

Doch wozu überhaupt reparieren, wenn heute alles neu zukaufen ist? Die Menschen werfen zu schnell weg. Eine Reparatur scheint oft zu kompliziert oder zu teuer. Doch manchmal muss eben nur eine Schraube festgedreht oder ein Schalter ausgetauscht werden und der Gegenstand funktioniert wieder einwandfrei.

Kurzinterview mit Thomas Kielhorn:

1. Wie stehen Sie zur Nachhaltigkeit?
Das ist eine wichtige Sache und ich hoffe das meine Kinder und Enkelkinder danach leben werden.
2. Was hat Sie angetrieben hier ein Repair Cafe zu eröffnen?
Eigentlich wollte ich das erste Repair Cafe in Rostock eröffnen aber 14 Tage vorher hat eins in Reutershagen aufgemacht. Allerdings ist mein Cafe das erste, welches zweimal im Monat geöffnet hat!
3. Welche Gegenstände können hergebracht werden?
Alles was eine Frau allein tragen kann und was eine Steckdose oder ein Batteriefach hat. Am meisten kommen Radios. Gerade heute haben wir ein Ausnahme hier: einen kleinen Rasenmäher. Ein Gast bringt so ein Ding mit und schon wurschteln drei weitere Männer mit. Das ist schon spannend!
4. Wie viel können Sie reparieren?
65% bekommen wir wieder in Ordnung.
Manchmal bekommt man einfach keine Ersatzteile und das Gerät muss leider weggeworfen werden.
5. Warum füllen Sie Ihre Freizeit mit dem Repair Cafe?
Einfach weil es mir Spaß macht. Ich freue mich über jedes Gerät, welches nicht auf dem Müll landet. Es ist ein schöner Moment, wenn man in die  Augen von einer Oma guckt, die ihren alten Mixer wieder mit nach Hause nehmen kann und  die Welt für sie wieder im Kreis ist.

Das Repair Cafe möchte die Leute ermuntern, selbst zu reparieren. Menschen treffen sich, tauschen Kenntnisse aus und helfen ganz nebenbei der Umwelt.  Durch das wieder funktionstüchtig machen, entfällt der Gebrauch von neuen Ressourcen, die Luft wird geschont und der Müll wird ganz simpel reduziert.

Gäste des Repair Cafes, beim reparieren einer Brotschneidemaschiene

Neugestaltung, Kommunikation, Wandel

Ein anderer Anhaltspunkt ist die Weiterbildung im Bereich der Nachhaltigkeit.
Eine Möglichkeit, sich über umweltschonende Maßnahmen im eigenen Unternehmen, Verein, Kommune oder Ministerium aufklären zu lassen, bietet “fint”.
Das Team besteht aus Teresa Trabert und Veronika Schubring (beide geschäfts- und personalführende Vorstandsmitglieder des gemeinnützigen Vereins Kreativsaison e.V.), sowie feste und freie Projektmanager, Grafiker, Moderatoren und Kreativ-Schaffenden. Ihr Büro befindet sich im Warnow Valley.
„fint“ möchte den gesellschaftlichen Wandel fördern, ein kooperatives Miteinander ermöglichen und zukunftsorientiert entwickeln. Das Ziel ist, durch unkomplizierte Ansätze eine nachhaltige Struktur aufzubauen und letzte Zweifel an einer Umgestaltung zu nehmen. Um dies zu erreichen organisiert “fint” Workshops, Kampagnenarbeit und Veranstaltungsformate.

Auftraggeber, welche bereits auf die Arbeit von „fint“ vertrauten, sind beispielsweise das Lokalradio LOHRO, das BioCon Valley Netzwerk oder auch die AWO Rostock. Um die besten Lösungs-, sowie Umsetzungswege zu finden, arbeitet das Personal mit Künstlern und Querdenkern zusammen. So wird vor allem „über den Tellerrand geguckt“.
Seit 2016 organisiert „fint“ den Klima- Aktionstag im Auftrag der Hansestadt Rostock. Dort bieten sie für engagierte Akteure eine Plattform und schaffen Platz für eine Auseinandersetzung mit sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit. Das Projekt „CREATIVE TRADITIONAL COMPANY COOPERATION“ (CTCC), welches im Mai 2018  begann, hat das Ziel, neben einer Vernetzung und Zusammenarbeit, eine wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Stärkung der baltischen Regionen zu schaffen. Bis Juni 2020 finden dazu Workshops und Begleittermine statt.

Teresa Trabert; Quelle: www.fint.team

Veronika Schubring; Quelle: www.fint.team

Die beiden vorgestellten Akteure bieten lediglich einen kleinen Einblick in Rostocks Nachhaltigkeitsangebot. Bei genauerem Hinschauen gibt es deutlich mehr und genug Möglichkeiten sich, in verschiedenen Richtungen, auf umweltfreundlichen Wegen zu begeben. Damit die Menschen von Morgen genauso ein Leben führen können wie wir heute.

Bericht und Foto von Sophie Berganski

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